Strompreise steigen, Heizkosten explodieren – viele Hausbesitzer mit Wärmepumpe suchen nach Möglichkeiten, ihre Energiekosten zu senken. Eine Option, die immer wieder empfohlen wird: der Zweitarifstrom, auch bekannt als Nachtstrom oder HT/NT-Tarif. Doch lohnt sich der Umstieg wirklich? Oder ist das Modell längst überholt?
Was bedeutet Zweitarifstrom genau?
Zweitarifstrom unterscheidet zwischen zwei Zeiten:
- Hochtarifzeit (HT): tagsüber, meist zwischen 6:00 und 22:00 Uhr – höherer Preis pro Kilowattstunde
- Niedertarifzeit (NT): nachts, meist zwischen 22:00 und 6:00 Uhr – günstigerer Preis
Der Tarif basiert auf dem Prinzip: Strom ist günstiger, wenn die allgemeine Nachfrage niedrig ist. Dafür benötigt dein Haushalt einen geeigneten Zweitarifzähler, der zwischen HT und NT unterscheiden kann.
Warum Wärmepumpen gut mit Zweitarifstrom funktionieren können
Wärmepumpen sind das Herzstück moderner Heizsysteme – effizient, klimafreundlich, aber eben auch stromintensiv. Wenn diese Geräte nachts zum günstigeren Tarif laufen, lassen sich damit spürbare Einsparungen erzielen.
Insbesondere Speichersysteme wie Pufferspeicher oder Fußbodenheizungen mit hoher Trägheit helfen dabei, die Wärme von der Nacht in den Tag „mitzunehmen“. Doch nicht jedes Haus kann davon gleich stark profitieren.
Wann lohnt sich der Wechsel wirklich?
Ob sich Zweitarifstrom mit deiner Wärmepumpe rechnet, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Anteil des Stromverbrauchs in der NT-Zeit: Je höher dieser ist, desto besser
- Effizienz der Wärmepumpe: Hohe COP-Werte (Coefficient of Performance) steigern die Einsparung
- Vorhandensein eines Pufferspeichers: Wärmespeicherung wird erleichtert
- Regionale Strompreise: Preisunterschiede zwischen HT und NT variieren je nach Anbieter stark
Als Daumenregel gilt: Wenn du mindestens 40–50 % deines Wärmepumpenstroms in der günstigen Nachtzeit beziehst, kann der Wechsel sinnvoll sein – alles darunter reduziert die Ersparnis deutlich.
Vor- und Nachteile des Zweitarifmodells
Vorteile:
- Günstigere Strompreise in der Niedertarifzeit
- Mehr Kontrolle über den zeitlichen Verbrauch
- Entlastung des Stromnetzes durch Lastverschiebung
Nachteile:
- Installation eines Zweitarifzählers erforderlich (einmalige Kosten ab ca. 100 – 300 €)
- Höherer Grundpreis bei einigen Stromanbietern
- Technische Umstellung erforderlich: Steuerung der Wärmepumpe muss NT-Zeiten berücksichtigen
Beispielrechnung: Was kannst du wirklich sparen?
Angenommen, deine Wärmepumpe verbraucht 6.000 kWh im Jahr. Bei einem normalen Tarif zahlst du im Schnitt 0,35 €/kWh, also 2.100 €/Jahr.
Mit einem Zweitarifmodell (HT = 0,38 €/kWh, NT = 0,28 €/kWh) ergibt sich bei 50 % NT-Nutzung:
- 3.000 kWh à 0,38 € = 1.140 €
- 3.000 kWh à 0,28 € = 840 €
Gesamt: 1.980 € – also eine Ersparnis von 120 € jährlich.
Je stärker du die Nachtzeiten nutzt, desto größer fällt der Unterschied aus. Bei 70 % NT-Anteil läge die Ersparnis bereits bei über 200 € jährlich.
Technische Voraussetzungen im Überblick
Damit der Wechsel zum Zweitarifstrom gelingt, musst du einiges beachten:
- Digitaler oder Zweitarifzähler, der Zeitfenster korrekt misst
- Steuerbare Wärmepumpe, oft über Smart-Home- oder Lastmanagement-Systeme
- Klärung mit dem Stromversorger über Tarifmodell und Anmeldung
Frage im Zweifel einen Elektroinstallateur, ob deine Anlage den Wechsel problemlos unterstützt.
Fazit: Lohnt sich Zweitarifstrom bei Wärmepumpen?
Die Antwort lautet: nicht immer, aber oft. Wenn du nachts viel Wärme erzeugen und speichern kannst, bietet der Niedertarif echtes Sparpotenzial. Besonders bei gut gedämmten Häusern mit Pufferlösungen lohnt sich der Blick auf den HT/NT-Tarif.
Doch Vorsicht: Je nach Vertrag können höhere Grundpreise und technische Aufwände die Ersparnis schmälern. Ein unverbindlicher Tarifvergleich und eine Heizlastanalyse helfen dir bei der Entscheidung.
Wenn du also aktiv deine Stromkosten senken willst und bereit bist, etwas umzurüsten – dann könnte Zweitarifstrom die richtige Wahl sein.




